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Ein schwarzes Loch bei St. Pauli

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Petro

verfaßt am: 05.10.2004 14:26:25
Ein schwarzes Loch bei St. Pauli

wohin das ganzen Geld von 17 000 Zuschauer verschwindet, soll nun doch nicht existieren. Das Hamburger Abendblatt widmet heute den Pauli-Finanzen eine ganze Seite und druckt neben dem Artikel unten auch eine Einnahmen-Ausgaben-Bilanz des Vereins ab.
Da das Thema immer wieder heiß diskutiert wird und auch überregional für Stirnerunzeln sorgt, hier für Interessenten der Beitrag:



St. Pauli: Hier bleibt das Geld
Alle Zahlen: Der Kiez-Klub endlich auf dem Weg zur "schwarzen Null"

Von Christian Pletz, Marcus Scholz



Hamburg - Frustrierte Fans von Fortuna Düsseldorf blockierten nach dem 1:2 am Millerntor den Mannschaftsbus und forderten Erklärungen. Auch St. Paulis Vizepräsident Marcus Schulz konnte seinen Heimweg über das Heiligengeistfeld nicht problemlos fortsetzen. Eine Gruppe braun-weißer Anhänger fragte den Finanzfachmann nach der aktuellen Wirtschaftslage des Vereins und brachte ihr Unverständnis zum Ausdruck, daß St. Pauli trotz des Zuschauerschnitts von 16 889 Besuchern pro Heimspiel stets finanzielle Sorgen und Engpässe umgeben. "Solche Kommentare sind keine Seltenheit", sagte Schulz, nachdem er den Fans geduldig Rede und Antwort gestanden hatte, "viele Leute denken, daß sich beim FC St. Pauli jemand die Taschen vollmacht, der Klub müßte nach ihrer Vorstellung die besten finanziellen Bedingungen aller Drittligavereine haben."

So oder so ähnlich denken auch viele Konkurrenten der Hamburger. Bei überdurchschnittlichen Zuschauerzahlen, dem hohen Bekanntheitsgrad, vielen Sympathisanten und dem guten Vermark-tungspotential herrschte in der Regionalliga vielerorts Unverständnis, als der FC St. Pauli 2003 seine Retter-Aktion ausrief. Manager und Präsidenten tuschelten regelmäßig bei Besuchen am Millerntor Begriffe wie "Mißmanagement" und "Fehlinvestitionen". Anonym, versteht sich. "Der Klub muß seine Strukturen den Gegebenheiten der Klassenzugehörigkeit anpassen", sagte Präsident Corny Littmann damals und forderte einen rigorosen Sparkurs. Mit Erfolg: Betrachtet man den aktuellen Vergleich von Einnahmen und Ausgaben, so beendet St. Pauli die Saison wohl mit einer "schwarzen Null".

Als großer Trugschluß erweist sich die These, der Regionalligaklub könne seinen Mannschaftsetat (2,5 Millionen Euro) allein über die Zuschauereinnahmen finanzieren. Die Summe von 1,9 Millionen Euro basiert auf einer Kalkulation von durchschnittlich 14 500 Zuschauern. Angesichts der 19 berücksichtigten Heimspiele, beträgt der durchschnittliche Einzelkartenpreis nur 6,90 Euro. Hauptgrund: St. Pauli gehört zu den wenigen Klubs, die für alle Plätze ermäßigte Eintrittskarten verkaufen. "Ein großer Teil der verkauften Tickets ist ermäßigt", erklärt Geschäftsführer Frank Fechner, "pro Spiel sind es mehr als ein Drittel."

Für den zweitgrößten Einnahmen-Anteil sorgt die Vermarktung (1,112 Millionen Euro). Die "Vorablizenz" (420 000) ging zu Beginn der Saison ein und ist unabhängig vom Gewinn des 100prozentigen Tochterunternehmens, hinzu kommt eine Gewinnbeteiligung (700 000 Euro). Nach dem Rückkauf der Marketingrechte vom "Vermarkter upsolut", erwartet der Verein in Zukunft höhere Einnahmen. Derzeit sucht das Präsidium nach einem neuen Vermarktungschef.

Die Stadionvermietung ist eine benötigte Zusatzeinnahme. Einziger Makel: Die Hauptnutzer, das Football-Team Blue Devils, haben ihre Mietvereinbarungen der letzten Saison (rund 80 000 Euro) noch immer nicht beglichen. Auch die Erlöse aus dem Bereich "Rasenpatenschaften, Kunstaktionen" (250 000 Euro) bergen ein Restrisiko. Zwar reduzierte das Präsidium die anfangs hohen Erwartungen (500 000 Euro), doch auch von der eingeplanten Viertelmillion wurde erst die Hälfte eingenommen.

Den Löwenanteil der Ausgabenseite stellt der Lizenzspielerbereich (2,5 Millionen). Darin enthalten sind neben Spielergehältern die Trainer und die medizinischen Betreuer. Auch Ex-Trainer Franz Gerber wird mangels Auflösungsvertrag weiter bezahlt, erhält pro Sieg 900 Euro Prämie. Die integrierten Erfolgsgelder basieren auf der kalkulierten Punktzahl von 60 Punkten.

Ebenfalls für hohe Kosten sorgt die Geschäftsstelle. Für acht Beschäftigte (u.a. Geschäftsführer Fechner, Pressesprecher Hawerkamp, Stadion- und Sicherheitschef Sven Brux) plus Aushilfen und Teilzeitkräfte werden insgesamt 300 000 Euro Personalkosten fällig, die fast identische Summe verschlingen Sachkosten von der Buchhaltung bis hin zu Portokosten (10 000 Euro).

Die Amateur- und Jugendabteilungen des FC St. Pauli wirken auf den ersten Blick zwar kostenintensiv, arbeiten aber nahezu kostendeckend und finanzieren sich durch die Mitgliedsbeiträge. Die Fußball-Jugendabteilung beispielsweise wird ausschließlich von den Mitgliedsbeiträgen der Abteilung Fördernde Mitglieder (AFM) getragen.

Beim Blick auf die Kosten- und Ertragsbestandteile fühlen sich die Präsidiumsmitglieder des FC St. Pauli bestätigt. "Wir müssen in jeder Saison Zusatzeinnahmen generieren, um kein Minus zu machen", sagt Schulz - "oder ganz schnell aufsteigen!"

erschienen am 5. Oktober 2004 in Sport

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Himmelblaue Grüße aus dem Norden!
Petro

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  Ein schwarzes Loch bei St. Pauli

Petro 05.10.2004 14:26:25


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