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Fundstück: Bestechung von Magdeburg durch Aue im Abstiegskampf 1988

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avatar Charlie S.

verfaßt am: 05.04.2022 19:48:24
Fundstück: Bestechung von Magdeburg durch Aue im Abstiegskampf 1988

Manchmal sind die sozialen Medien doch für was gut. Denn da habe ich in einer Facebook-Gruppe das folgende, hochspannende, Interview mit dem ehemaligen Spieler der Schachter, Andreas Krauß, der im Abstiegskampf der Saison 1987/88 einen Bestechungsversuch beim damaligen Trainer des 1. FC Magdeburg, Achim Streich, versucht hat.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Krauss behauptet, dass auch beim (für Union) legendären 3:2 Sieg der Unioner beim FCK am letzten Spieltag Bestechung im Spiel gewesen sein soll.
Der Schacht gewann übrigens wirklich mit 1:0 in Magdeburg. Hätten sie verloren, wären sie aufgrund der schlechteren Tordifferenz weggewesen.

Hier noch ein paar Quellen dazu bei uns auf der Fanpage:


2. April 1990 – In der Montagsausgabe der „freien presse“ Karl-Marx-Stadt, einen Tag vor dem 19. Spieltag-Saison 1989/90, war ein brisantes Interview zu lesen. Funktionäre und ein Spieler der früheren BSG Wismut Aue haben vor dem letzten Spieltag der Fußball-Oberligasaison 1987/88 einen Bestechungsversuch gegen den 1. FC Magdeburg unternommen. Wie der Bezirksstaatsanwalt in Karl-Marx-Stadt mitteilte, hatten ein nicht genannter Spieler und der ehemalige Sektionsleiter gestanden, dem Magdeburger Trainer 10.000 Mark für ein Unentschieden im Spiel am 28. Mai 1988 angeboten zu haben. Der Bestechungsversuch wurde zurückgewiesen, Aue gewann das Spiel mit 1:0 und rettete sich vor dem Abstieg. So mußten der FC Vorwärts und Stahl Riesa in die Liga. FCM-Trainer Streich: „Ich habe den Wismut-Spieler weggeschickt und meinen Klubvorsitzenden informiert."
Andreas Krauß wandte sich an die „fp"-Sportredaktion: „Mir geht es darum, endlich mit der Geheimniskrämerei Schluß zu machen: Ich sollte Trainer Streich bestechen." Die freie presse führte daraufhin mit dem 30-jährigen Diplomsportlehrer und früheren Fußballer der BSG Wismut Aue das folgende Gespräch.


● Was hat Sie zu dem Entschluß veranlaßt, sich an unsere Sportredaktion zu wenden?
Die in der freien presse und in anderen Medien die Bestechungsaffäre Aue-Magdeburg Im Jahr 1988 lassen vor allem die Frage nach dem ehemaligen Spieler offen, der den Auftrag hatte, an Trainer Joachim Streich die Bestechungsabsicht des damaligen Wismut-Sektionsleiters Werner Lorenz, heranzutragen. Ich weiß, daß auch in unserem Territorium die fußballinteressierte Offentlichkeit wissen will, wer das war. Da ich derjenige bin, um den es dabei geht, was übrigens auch die Kriminalpolizei weiß, habe ich mich gemeldet. Ich möchte darlegen, wie der wirkliche Sachverhalt war, was tatsächlich abgespielt hat und welche Motive ich hatte, um bei dieser Angelegenheit mitzumachen.

● Warum ist die Wahl als Ansprechpartner für Trainer Streich auf Sie gefallen?
Lorenz wußte, daß ich Joachim gut kenne. Diese Bekanntschaft rührt daher, daß Dieter Schneider, der Torwart vom FC Hansa Rostock, mein Großcousin ist und während der jährlichen-Trainingslager seiner Mannschaft in Bermsgrün gemeinsam mit Joachim Streich und Gerd Kische uns öfter zu Hause in Aue besuchte.

● Welche Funktion hatten Sie damals bei der BSG Wismut Aue?
Ich war stellvertretender BSG-Vorsitzender von Wismut Aue verantwortlich für den Freizeit- und Erholungssport, Hauptamtlich arbeitete ich als Sachgebietsbeauftragter Sport im Bergbaubetrieb Aue.

● Haben, Sie zu dieser Zeit noch Fußball gespielt?
Nein, 1986 mußte ich damit verletzungsbedingt aufhören.

● Wie lief nun Ihr Auftrag konkret ab?
Am Mittwoch vor dem letzten Punktspiel der Saison 1987/88 schickte mich Werner Lorenz nach Magdeburg. Dort sollte ich Joachim Streich mitteilen, daß wir ihm 10.000 Mark für den Gewinn eines Punktes geben würden. Die Übergabe des Geldes sollte entweder unmittelbar nach Spielschluß im Stadiongelände oder, wenn die Gelegenheit dazu nicht geeignet gewesen wäre, bei ihm zu Hause erfolgen. Das habe ich mit Joachim Streich am besagten Mittwoch nach dem Training besprochen.

● Dieses Ansinnen hat, wie in Veröffentlichungen der letzten Tage zu lesen war, Joachim Streich empört zurückgewiesen.
Diese Darstellung ist falsch. Joachim Streich war mit dem Vorschlag einverstanden, auch mit der Summe von 10.000 Mark. Ich habe ihn sogar noch gefragt, ob ich, mit zwei, drei Spielern darüber reden soll, damit er sich aus der Sache heraushalten kann. Er sagte mir daraufhin, daß das nicht nötig sei, daß er noch überlegen will, wie er es macht - also welche Spieler er einweiht, ob er Spieler auf der Bank läßt. Ich bin am gleichen Tag zurückgefahren nach Aue und habe Lorenz über alles informiert.

● Gibt es für das Gespräch mit Trainer Streich Zeugen?
Nein, wir waren allein.

● Wismut Aue hat bekanntlich das betreffende Spiel in Magdeburg gewonnen. Demzufolge müßte Trainer Streich das Geld also bekommen haben?
Das hat er nicht, denn die Vereinbarung zwischen uns „platzte" vorher.

● Wie passierte das?
Als am Sonnabend das Spiel begann, wunderte ich mich schon nach ein paar Minuten, daß die Magdeburger allesamt voll zur Sache gingen. Die spielten nie und nimmer auf eine Punkteteilung hin, das konnte jeder klar erkennen. der etwas vom Fußball versteht. In der Halbzeitpause kam Lorenz zu mir und erzählte, daß die Sache schiefgegangen sei. Der damalige Magdeburger Clubvorsitzende Herbert König sei bei ihm gewesen und habe gedroht, daß dieser Bestechungsversuch noch ein Nachspiel haben werde.

● Woher, glauben Sie, könnte Herbert König die Information erhalten haben?
Das kann ich nur vermuten nach Gesprächen, die ich später mit Lorenz hatte. Am Freitagabend, also am Tag vor dem Spiel, war Karl-Heinz Pohl, der damalige Verantwortliche für Sport in der Generaldirektion der SDAG Wismut bei Herbert König, der vorher mal eine Leitungsfunktion bei Wismut Gera inne hatte. Pohl, das wußte ich von Lorenz, war in Sachen Bestechungsversuch eingeweiht. Nun, wie gesagt, vermute ich, daß während dieses möglicherweise gemütlichen Abends Pohl die Abmachung zur Sprache brachte. König, der von nichts wußte, hat sich dann garantiert mit Streich in Verbindung gesetzt und infolge dessen ist dem FCM-Trainer womöglich die ganze Angelegenheit zu „heiß" geworden.

● Was macht jetzt Karl-Heinz Pohl?
Er ist in Untersuchungshaft.

● Warum haben Sie eigentlich bei dieser Bestechungsaffäre mitgemacht?
Ausschlaggebend war ein Grund. Als Werner Lorenz mit dem Anliegen auf mich zukam, versicherte er mir, er habe eindeutige Beweise dafür, daß das zum gleichen Zeitpunkt stattfindende Spiel zwischen dem FC Karl-Marx-Stadt dem 1. FC Union Berlin von den ebenfalls abstiegsbedrohten Berlinern gekauft worden sei. Das habe ich damals geglaubt, auch eingedenk dessen, daß beim FCK ja führende Leute der damaligen SED-Bezirksleitung hineingeredet haben, und denen der Oberligafußball in Aue schon Immer ein Dorn im Auge war. Übrigens hat Streich in unserem bereits erwähnten Gespräch in Magdeburg der Behauptung von Werner Lorenz zugestimmt und hinzugefügt, daß es für ihn ohnehin sehr merkwürdig sei, wie Union bereits einige andere Spiele gewonnen habe.

● Wußten Spieler aus Aue und Magdeburg vom ganzen Bestechungsrummel?
Ich bin sicher daß sie nichts wußten, weder die Magdeburger noch unsere. Mein Bruder Steffen hätte mich bestimmt gefragt, wenn ihm etwas zu Ohren gekommen wäre.

● Stand für Sie von Ihrem Auftraggeber eine Belohnung in Aussicht?
Nein, davon war auch nie die Rede.

● Waren Sie vor-oder nachher an weiteren solchen Aktionen beteiligt?
Nein.

● Wissen Sie von anderen derartigen Fällen im Zusammenhang mit Wismut oder anderen Vereinen?
Ich kenne keinen anderen Fall. Die bereits genannte Behauptung über Union in Karl-Marx-Stadt habe ich auch nur von Lorenz gehört.

● Im Neuen Deutschland vom Freitag stand, daß vom Bestechungsversuch auch der Generalsekretär des Fußballverbandes, Wolfgang Spitzner, und Chefverbandstrainer Manfred Zapf informiert worden waren; Haben Sie eine Erklärung dafür, daß die DFV-Führung trotz dieses schweren Vorwurfes nicht das Geringste unternommen hat?
Keine Ahnung, ober einen Grund wird es schon geben. Nur um Wismut Aue einen Gefallen zu tun, werden die da oben nicht geschwiegen haben.

● Wie lange haben Sie bei Wismut Aue Fußball gespielt?
1968 fing ich bei Wismut an und habe bis 1986 dort Fußball gespielt. 1984/85 wer ich eine Saison zu Motor Fritz Heckert Karl-Marx-Stadt delegiert worden. Bei Wismut habe ich Alle Altersklassen durchlaufen, vom Kinder bis zum Männerbereich. In der Oberligamannschaft habe ich je zwei Punkt- und Pokalspiele mitgemacht.

● Wie lief Ihre berufliche Entwicklung?
1987 habe ich das DHfK-Studium als Diplomsportlehrer abgeschlossen. 1987 bis 1989 war ich, wie schon erwähnt, im Bergbaubetrieb Aue tätig. Seit dem Sommer vorigen Jahres bin ich Sportlehrer in der Polytechnischen OberschuIe Bockau.

● Wie fühlen Sie sich jetzt?
Nicht gut, doch besser als am Tag der ersten Veröffentlichungen in den Zeitungen über die damalige Bestechungsaffäre. Ich war überrascht, daß die an sich ja gescheiterte Sache noch mal aufgerollt wird. Daß ich damals einen Fehler gemacht habe, ist mir nicht erst bei der Vernehmung durch die Kriminalpolizei klargeworden. Allerdings wuchs das ungute Gefühl in mir immer mehr, wenn in den Zeitungsberichten von dem namentlich nicht genannten Spieler die Rede war, der stets in einem Atemzug mit dem inhaftierten ehemaligen Sektionsleiter erwähnt wurde. Deshalb habe ich mich gemeldet, wollte in aller Öffentlichkeit reinen Tisch machen, wollte damit euch die Gerüchte und Spekulationen um meine Person und um den FC Wismut abbauen.
Thema Autor Datum/Zeit

  Fundstück: Bestechung von Magdeburg durch Aue im Abstiegskampf 1988

Charlie S. 05.04.2022 19:48:24

  Aktion Weiße Weste

Lars 05.04.2022 19:57:47

  Das stimmt so nicht.

Paracet 05.04.2022 22:14:04

  Das

Korni69 06.04.2022 06:23:32


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