Spielbericht // Saison 2003/2004

 
Chemnitzer FC
Chemnitzer FC0:6FC Schalke 04 II
FC Schalke 04 II
33. Spieltag - Regionalliga Nord - Saison 2003/2004
Sonntag, 30. Mai 2004, 14:00 Uhr
Fischerwiese, Chemnitz
Zuschauer: 2.560
Schiedsrichter: Anklam (Hamburg)
Chemnitzer FCTorfolgeFC Schalke 04 II
T Süssner
A KarlGelbe Karte (53. Meissner)
A Ahlf (51. Oeiras)
A GillertGelbe Karte
M Wächtler
M Göhlert
M Zivic
M MehlhornGelbrote Karte
M TaljevicGelbe Karte
S Prymula (69. Meyer)
S Rolleder

Trainer: Rohde
0:1 Iyodo (34.)
0:2 Hajnal (43./Elfer)
0:3 Takyi (47.)
0:4 Hajnal (73.)
0:5 Hajnal (79.)
0:6 Koch (85.)

Besondere Vorkommnisse:
Gelb-Rot für Mehlhorn (76.)
Taljevic verschießt Handelfmeter (78.)

T Müller
A SzollarGelbe Karte
A Lamotte
A Koch
A Pander
M Takyi (76. Bork)
M Beckmann
M Hajnal (82. Seiffert)
M Caspers
S Iyodo
S Schiller (67. Hoogland)

Trainer: Kleppinger
Spielbericht

Eine öffentliche Hinrichtung in sechs Akten

Von Frank Neubert

Die Ouvertüre
Eigentlich war alles perfekt angerichtet: Zum letzten Heimspiel der Saison 03/04 und gleichzeitig letzten Schicksalsspiel in heimischen Gefilden gab es einen Aufruf der Mannschaft an die Fans, welche wiederum beim Abschlußtraining ihrem Team zur Seite standen. Im Internet tummelten sich mehrere kluge Aufrufe und Kommentare zur Lage der himmelblauen Nation. Urgestein Ulf Mehlhorn sollte mit einem Sieg aus dem aktiven Dienst (455 Pflichtspiele für FCK/CFC) und gleichzeitigen Klassenerhalt von der FiWi verabschiedet werden. Und die Schalker Amateure am Besten aus der Liga geschossen werden, um den Wust an Amateurmannschaften in der RL mathematisch zu reduzieren. Es hätte ein schöner Tag werden können. Aber es sollte anders kommen.

Erster Akt
Der erste Akt versetzte das anwesende Publikum in freudige Erregung, da das himmelblaue Rasenorchester seine Instrumente in gefälliger Harmonie ertönen ließ und mit bester Absicht auf das gegnerische Tor zustrebte. Die Blamage von Paderborn schien aus den Köpfen verdrängt und fußballerische Tugenden wiedergefunden worden zu sein. Ein Mißton blieb allerdings: Sowohl Zivic aus 10m (7.min), als auch Prymula mit einem Schuß von der Strafraumgrenze (12.min) konnten nicht für das herbeigesehnte Führungstor sorgen. Bei einer Ecke von Zivic taucht wie ein Schatten sogar Eisen-Karl im Strafraum auf - leider bleibt auch sein Nachschuß in der vielbeinigen königsblauen Abwehr hängen. Der letzte Akkord des ersten Aktes blieb Göhlert vorbehalten, als er einen von Taljevic vertändelten (sic!) Ball in Richtung Tor befördert (17.min), welchen der Schalker Keeper nur abklatschen kann. Leider endet Rolleders Nachsetzen im Abseits und somit auch alle Bemühungen der einheimischen Elf, in Führung zu gehen.
- Vorhang -

Zweiter Akt
Nach ca. 25 Minuten ließ der CFC in seinem Offensivdrang etwas nach. Eine gewisse Nervosität schlich sich in die himmelblaue Aufführung ein. Schalke spürte dies und antwortete mit spitzen, kecken Tönen aus dem Mittelfeld. Gillerts Versuch, einem Amateur den Ball abzujagen, wird von Karl unterstützt, welcher als souveräner Sieger aus dem Dreikampf hervorgeht. Aus der Traube trudelt das Spielgerät allerdings zu einem Schalker, welcher mit der Kugel am Fuß sofort in die CFC-Hälfte eindringt. Ahlf versucht, die Flanke zu erwischen - Mehlo versucht, Iyodo am Schuß zu hindern, beides klappt nicht - und der Schalker netzt eiskalt an Süssner vorbei per Flachschuß zum 0:1 ein. Entsetzte Gesichter im Auditorium und auf dem Rasen. Erste Schalker Chance - erstes Schalker Tor. Welch barbarische Grausamkeit. Ein nahezu perfekter (erster) Genickschlag zur himmelblauen Hinrichtung.
- Vorhang -

Dritter Akt
Ein zweifelnder CFC versucht, auf dem Rasen standhaft zu bleiben. Torchancen sind Mangelware - auf beiden Seiten. Die Darbietung verfällt immer mehr in Disharmonie und verkommt endgültig zum Abstiegsk(r)ampf. Es wird gehalten und gezogen. Schiedsrichter Anklam verpasst in mindestens 2 Fällen, den Ruhrpottlern den gelben Karton zu zeigen. Als er diesen endlich auspackt, bekommt der CFC seinen zweiten Genickschlag an diesem Tage. Was war passiert? Von der rechten Seite flankt ein Schalker nach innen, wo Gillert im Laufduell mit Iyodo in den Strafraum eindringt. Iyodo grätscht rutschenderweise in Richtung Ball, um diesen ins Tor zu spitzeln - Schiedsrichter Anklam erkennt daraufhin einen Foulelfmeter für Schalke und Gelb für Gillert, welcher 2m neben (!) seinem Gegenspieler agierte. Eine katastrophale Fehlentscheidung. Die Folge daraus: das 0:2 durch Hajnal, welcher den Strafstoß sicher versenkt. In den verbleibenden 4 Minuten gibt es noch Gelb für Mehlhorn und Karl, dann war Pause auf der Fischerwiese.
- Vorhang -

Vierter Akt
Süssner erscheint als Erster auf dem Rasen - und gibt somit dem erstarrten Publikum noch einmal das Gefühl, daß der Club in der zweiten Halbzeit noch einmal alle seine (bescheidenen) Register ziehen will. Doch noch bevor es zu einem richtigen himmelblauen Paukenschlag kommt, schiebt sich erneut Schiedsrichter Anklam als Luzifer auf die Bühne des Geschehens. Die erhobene Fahne seines Assistenten schlichtweg ignorierend, lässt er Takyi, welcher mindestens 2 Meter im Abseits steht (!!), gewähren, so daß der junge Schalker ungestört auf Süssner zulaufen und unter wütenden CFC-Protesten zum 0:3 einschiessen kann. Am Zaun von Block 4 kommt es zu tumultartigen Szenen, als aufgebrachte Fans den Linienrichter ans Leder wollen, da dieser seine bereits gehobene Fahne wieder gesenkt hatte. Eine spontane Brötchenspende wird von Herrn Anklam eifrig registriert und notiert. Egal - der Club lag mit 0:3 zurück. Und dies nach 47 Spielminuten. Drei vernichtende Genickschläge, und zwei davon mit Hilfe eines unfähigen Schiedsrichters - was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!
- Vorhang -

Fünfter Akt
Der CFC zappelte noch. Aber nur als Fisch am Haken. Nur Phantasten konnten erwarten, daß nach diesem Spielverlauf noch ein Remis oder gar ein Sieg möglich wäre. Der eingewechselte Meissner kommt nach einer Flanke von Taljevic an den Ball und erkämpft eine Ecke. Zivic wuchtet den Ball nach innen - und dieser trifft den Schalker Szollar mitten ins Gesicht. Der Jungspund fällt um und bleibt unweit der Torauslinie liegen. Mehlhorn, als CFC-Kapitän, wittert Zeitspiel und will den Amateur durch Hochziehen wieder auf die Beine zu stellen. Wütend schlägt der Schalker zweifach mit dem Ellenbogen nach dem CFC-Oldie. Anklam pfeift - und dies bedeutete an diesem Tage nichts Gutes. Kaum gedacht, schon passiert: (nur) Gelb für Szollar und ebenso Gelb (!) für Mehlhorn. Da der CFC-Kapitän aber schon eine gelbe Karte kassiert hatte, zückte der Hamburger (ähem, stehen die HSV-Amateure nicht auch gerade im Klassenkampf mit dem CFC !?) folgerichtig die rote Karte für das erstligaerfahrene FCK-Urgestein. Nun schwappte der Zorn endgültig auf das Spielfeld über und mehrere aufgebrachte Fans schwangen sich über den Zaun, um den (Un-)parteiischen ein paar passende Flötentöne beizubringen. Die Hüter des Orchestergrabens fingen jedoch alle Fanatiker brav ein - womit die Sinfonie des Schreckens ungestört fortgesetzt werden konnte.
- Vorhang -

Sechster Akt
Der sechste Akt bestand nur noch aus respektloser Leichenfledderei der Assauer-Jünglinge. Ein gewisser Hajnal tobt sich in Minute 73 aus, als er Süssner umspielt und das 0:4 erzielt. Derselbe Spieler durfte auch nach 79 Spielminuten noch einmal sein Können beweisen, als er Süssner diesmal per Lupfer aus 25m zum 0:5 überwindet. Doch damit nicht genug: Fünf Minuten vor Spielende erzielt Koch das desaströse 0:6, welches die 1A-Hinrichtung der Himmelblauen abschloß und Teilen der Zuschauer sogar Anlaß für hämischen Applaus gab. Was vergessen? Ach ja! In der 78.Minute war Anklam wohl der Meinung "etwas" gutmachen zu müssen, als er zur Überraschung aller Beteiligten plötzlich auf Handelfmeter gegen Schalke entschied. Beim Stand von 0:4 ein blanker Hohn. Passend zum Spiel und seiner egoistischen Spielweise - oder auch nur zum Trotz gegenüber dem Schieri - verschiesst Taljevic den Elfer kläglich. Nach dem Abpfiff kamen nur wenige (sehr enttäuschte!) CFC-Spieler an den Zaun - darunter unter anderen Zivic, Ahlf und Wächtler. Die Schalker Bubis drehten dann im fatalen Gefühl der Überlegenheit eine Art Ehrenrunde im Stadion - welche zuerst mit Klatschen, und kurz darauf - nach verbalen Einschreiten der Ultras - mit Buhrufen begleitet wurde. Darauffolgende obszöne Gesten dunkelhäutiger Spieler in Richtung Block 4 und 3 sorgten bestimmt nicht dafür, die Stimmenanteile der linken Wählerschaft in Chemnitz zur bevorstehenden Kommunalwahl zu erhöhen. Schade, denn dies hätten die Schalker Amateure überhaupt nicht nötig gehabt.
- Vorhang -

Die Opernkritik:
Der CFC steht mit diesem Spiel mit 1,5 Beinen im Oberliga-Sarg. Nach einem ordentlichen Start fiel man erneut nach dem ersten Gegentreffer wie ein Kartenhaus auseinander. Mag der Schieri seine Rolle gespielt haben - trotzdem bleibt der Fakt, daß der CFC eine durchaus mögliche eigene Führung hätte erzielen MÜSSEN. Egal, jetzt gilt es abzuhaken. Alle Konzentration gilt dem Endspiel in Dortmund, wo es der Club immer noch in der eigenen Hand hat, die nötigen Punkte für den Klassenerhalt herbeizuschaffen. Der letzte Trend spricht klar gegen den Club - und trotzdem: Jungs, IHR könnt es! Reisst euch gefälligst zusammen !! WIR Fans stehen hinter Euch !!!


Wertung: 3.5

Beste Himmelblaue: Ahlf, Zivic, Prymula, Karl

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