| Wenn der Opa erzählt |
1933-1945 | 1946-1965 | 1966-1969 | 1970-1988 | 1989-1991 | 1992-1995 | 1996-1998 | 1999-heute |
Vor dem Krieg (1933-1945) |
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Einer der erfolgreichsten Vereine der Stadt Chemnitz vor dem Krieg war der Polizeisportverein, kurz PSV
genannt. Dieser spielte zunächst auf verschiedenen Plätzen der Stadt, bis man sich 1933 entschied, in Nähe
des noch heute dort befindlichen Polizeigeländes ein eigenes Stadion zu bauen. Der Spatenstich für dieses
Stadion erfolgte am 31.07.1933 und schon nach knapp einem Jahr Bauzeit war die 30.000 Zuschauer fassende
Arena samst 17 Kassenhäuschen fertiggestellt. Am 13.05.1934 erschallte dann zum ersten Mal der Schlachtruf "1-2-3, Polizei" von den Rängen, als dass Stadion vor 25.000 Zuschauern mit einem 5:1-Sieg gegen die renommierte SpVgg Fürth eingeweiht wurde. Kurz darauf, am 16.06.1934, gastierte der FC Madrid (Vorläufer von Real Madrid) im Stadion. Den spanischen Gästen verging beim 5:2 derart Hören und Sehen, daß Torwartlegende Zamora zur Halbzeit in der Kabine bleiben wollte und erst nach Zuschauerprotesten wieder auf dem Rasen erschien. Die Chemnitzer Stürmerlegende Erwin Helmchen, welcher nach seinem Tode im Stadiongelände begraben werden wollte, erzielte in diesem Spiel 3 Treffer. In den Zeiten der Gau-Liga (1933-1945) war das Stadion sogar für eine offizielle Zuschauerzahl von 35.000 zugelassen, welche aber nie erreicht wurde. Gegen Kriegsende 1945 wurde das Stadion durch Bombentreffer schwer beschädigt. |
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Nach dem Krieg (1946-1965) |
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Nach dem Krieg gründeten sich in Chemnitz zwei starke Mannschaften, die SG Nord und die SG West, beide mit Spielern aus den Chemnitzer Vorkriegsmannschaften besetzt. Das PSV-Stadion wurde zur Heimstätte der SG Chemnitz-Nord, welche vorerst noch in den Niederungen der zweiten Liga spielte. Im Mai 1950 sahen 25.000 Zuschauer einen Städtevergleich zwischen Chemnitz und Hildesheim, welcher 1:1 endete. Am 13.07.1950 beschloß die "7. Öffentliche Stadtverordnetensitzung" der Stadt Chemnitz die Umbenennung des Stadions in "Dr.Kurt-Fischer-Stadion", da selbiger als ehemaliger Innenminister Sachsens und Chef der deutschen Volkspolizei im Vormonat verstorben war. Hier liegt auch die Geburtsstunde des Namens "Fischerwiese", den die Fans sofort als liebevolle Abkürzung einführten. Auf dem Rasen tummelten sich nun die namentlichen Vorläufer des FCK, welche als SG Fewa (ab 1950), BSG Chemie (1951), SC Motor (1956) und SC Karl-Marx-Stadt (1963) aufliefen. Den Nachkriegsrekord an Zuschauern (zu einem Punktspiel) erlebte die Fischerwiese am 18.11.1953, als zum Buß- und Bettag 27.300 Fans das Oberligaspiel zwischen Chemie Karl-Marx-Stadt und Fortschritt Weißenfels (3:0) sehen wollten. Zwei Jahre später gab es am 04.07.1955 den größten Andrang den das Stadion je gesehen hat. 30.000 Zuschauer erlebten beim Jugend-Länderspiel DDR-BRD einen 2:1-Sieg der westdeutschen Elf mit. In der Mitte der 60er Jahre muß das Stadion auch zum ersten Mal die himmelblauen Leibchen der Chemnitzer Heimelf gesehen haben, welche nach längerer Zeit des Suchens nach einem unverwechselbaren Trikot von den Spielern als "schick" bewertet und behalten wurden. Der Mythos der "Himmelblauen" war geboren. |
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Vor dem Titel kam der Abschied (1966-1969) |
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Im Jahre 1966 ging man in der DDR daran, in mehreren Bezirksstädten Fussballclubs zu gründen. Aus dem SCK ging nun der FC Karl-Marx-Stadt hervor und die Fischerwiese wurde somit zur Heimstatt eines Fussballclubs. Für die DDR-Oberliga war die zulässige Zuschauerzahl mittlerweile auf 22.000 Plätze begrenzt worden. Der Weg des neu gegründeten FCK sollte alsbald nach oben zeigen, aber auch eine Trennung vom Rasen der Fischerwiese mit sich bringen. In der Saison 66/67 setzte man sich nach 7 Spieltagen an die Tabellenspitze. Ausdruck der Begeisterung war z.B. der zur Kultfigur avancierende Leo Bachmann, der mit seiner FCK-Fahne vor jedem Heimspiel eine Stadionrunde lief. Das Heimspiel gegen den amtierenden Meister Vorwärts Berlin (3:2) sahen 27.000 begeisterte Fans und zum Schluß der Hinrunde trug der FCK den inoffiziellen Herbstmeistertitel. Im Fühjahr 1967 wurden für das vorentscheidende Spiel gegen den Zweitplatzierten 1.FC Lok Leipzig im Vorverkauf 25.000 Karten abgesetzt. Der Verein mußte handeln und zog notgedrungen in das größere Sportforum "Ernst-Thälmann" um, wo zum Anpfiff dieser Partie 45.000 Zuschauer Einlass begehrten. Zum Ende der Saison wurde der FCK mit 7 Punkten Vorsprung Meister der DDR und bekam im ungeliebten Sportforum die Meistertrophäe überreicht. |
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Rückkehr und Frischzellenkur (1970-1988) |
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Nachdem die meisterliche Euphorie wieder abgeklungen war und auch die sportlichen Leistungen immer mehr zu wünschen übrig ließen, zog der FCK wieder auf die Fischerwiese um.
Im Jahre 1970 erlebte das Stadion beim Pokalspiel FCK gegen Vorwärts Berlin (1:2) erhebliche Zuschauerausschreitungen, als Schiedsrichter Rudi Glöckner (leitete im selben Jahr das WM-Endspiel) eine rote Karte zückte, worauf erboste Fans den Platz stürmten und den Linienrichter mit seiner eigenen Fahne traktierten. Der Verein bekam 2 Spiele Platzsperre aufgebrummt, was wesentlich dazu beitrug, daß der FCK am Ende der Saison für ein Jahr in die zweite Liga abstieg. Am 23.04.1969 sahen die Fans eine der wohl denkwürdigsten Partien auf der Fischerwiese, als der gastgebende FCK zur Pause gegen Wismut Gera hoffnungslos mit 0:3 hinten lag und in der zweiten Hälfte noch das nahezu unglaubliche Endergebnis von 5:3 erkämpfen konnte. Anfang bis Mitte der 80er Jahre erfolgte zum ersten Mal eine größere Sanierung der altehrwürdigen Spielstätte. Die alten Stehtraversen, welche nur aus hinterfüllten Betonkanten bestanden, wurden durch komplette Betonstufen ersetzt, die auch heute noch den größten Teil des Stadions ausfüllen. Das zu DDR-Zeiten stets knappe Baumaterial wurde dabei zum Unmut der SED-Bezirksleitung von Genossen mit himmelblauen Herz und findigen Betriebsdirektoren einfach "abgezweigt". Insgeheim war sogar vorgesehen, Hülsenfundamente für eine spätere Komplettüberdachung zu schaffen, doch hier schob man von ganz oben endgültig einen Riegel vor. Der 01.10.1983 sollte ebenfalls als geschichtsträchtiger Tag in die Stadionhistorie eingehen, als der verhasste DDR-Serienmeister BFC Dynamo, der eine Serie von 36 Spielen ohne Niederlage (ca. 1,5 Jahre) vorweisen konnte, vor 16.800 Zuschauern mit 2:1 in die Knie gewzungen werden konnte. Die begeisterten Fans saßen dabei sogar in den Pappeln rund um die Fischerwiese und vor Euphorie stürzte ein Teil des Zaunes in der Südkurve ein. |
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Doch noch ein Dach (1989-1991) |
Nachdem im Jahre 1980 eine Überdachung des Stadions gerade noch verhindert wurde, fanden sich im Sommer 1989 wiederum findige Funktionäre, die sich nun endgültig die Aufgabe stellten, die westliche Gerade mit ihren bisherigen Sitzplätzen und einen Teil der Stehplätze komplett zu überdachen. Auch hier wurde wieder "abgezweigt" und mit viel Mühe sogar ein Lastenhubschrauber der sowjetischen Armee engagiert, der die Stahlelemente für das Tribünendach einsetzte. Leider verlor die Fischerwiese dadurch einen Teil ihrer prägnanten Pappelumrandung, da hinter der Tribüne nie wieder aufgeforstet wurde. Am Ende überspannte das Dach 540 Sitzplätze und 1.600 Stehplätze, womit der FCK der erste Verein der DDR mit überdachten Stehplätzen war. Die Tribünenweihe erfolgte am 22.10.1989 mit einem 2:1-Heimsieg gegen den 1.FC Lok Leipzig.Das nächste Highlight sollte das Stadion am 26.05.1990 zu sehen bekommen, als der FCK mit den punktgleichen Dynamos aus Dresden einen Fernkampf um die DDR-Meisterschaft austrug. Für ein paar Jubelminuten spielte auch der neue Meister auf der Fischerwiese, doch Dynamo gelang noch 2 Treffer gegen Lok Leipzig, was den FCK durch das schlechtere Torverhältnis zum Vizemeister bestimmte. Die anstehenden EC-Spiele wurden dann im größeren Sportforum ausgetragen. Am 11.08.1991 lief auf dem Rasen der Fischerwiese erstmals wieder eine "Chemnitzer" Mannschaft auf, da die Mitglieder des FCK im Zuge Rückbenennung von Karl-Marx-Stadt in Chemnitz den neuen Vereinsnamen "Chemnitzer FC" beschlossen. |
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Abschied in die 2. Bundesliga (1992-1995) |
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Mit der deutschen Wiedervereinigung gab es auch die Zusammenführung der beiden deutschen Fussballligen. Platz 1 oder 2 schien nicht unrealistisch (entsprach Qualifikation für 1.Bundesliga), am Ende kam es jedoch anders und der CFC qualifizierte sich am 25.05.1991 mit einem 1:1 gegen den HFC Chemie und den damit erreichten 5. Platz für die zweigestaffelte 2. Bundesliga. Dieses Datum stellt gleichzeitig einen langen, schmerzlichen Abschied von der geliebten Fischerwiese dar, da die Auflagen des DFB einen Spielbetrieb auf der Fischerwiese in den Bereich des Unmöglichen rückten (u.a. Flutlicht, neuer Sanitärtrakt, Spielertunnel). Den Forderungen der Fans zum Verbleib auf der Fischerwiese hielt man die angebliche Summe von über 10 Mio. DM entgegen, die man für den Spielbetrieb hätte investieren müssen. Andererseits wurden im Sommer 1991 für den Umbau des Sportforums für den Spielbetrieb der zweiten Bundesliga 5 Mio DM von der Stadt Chemnitz bereitgestellt - neun Jahre später wurde die Fischerwiese für "nur" 3,5 Mio DM ebenfalls zweitligatauglich gemacht - Fragen zu diesem Thema sind also erlaubt. Der Heimschnitt des CFC sank im Sportforum trotz zweiter Bundesliga auf nur 2.500 Fans pro Spiel rapide ab, die Mehrheit der Zuschauer stimmte einfach mit den Füßen ab. Keine Stimmung im weiten Rund, keine Heimfestung des CFC - eine Betonschüssel ohne Leben. Trotzdem durchlebte der CFC mit 5 Jahren Zweitligazugehörigkeit seinen größten Erfolg in der gesamtdeutschen Fussballgeschichte. |
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Endlich wieder zu Hause (1996-1998) |
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Am 08.06.1996 stieg der CFC unter den Tränen der Fans im Sportforum aus der zweiten Liga ab. Da man nun nicht mehr an die Auflagen des DFB gebunden war, trafen die Verantwortlichen die einzig richtige Entscheidung, die bevorstehende Regionalligasaison wieder auf dem heiligen Rasen der Fischerwiese zu bestreiten.
Viele Sponsoren, Fanclubs, freiwillige Helfer und sogar Spieler halfen bei der Instandsetzung des 5 Jahre kaum genutzten Geländes, welches zu Saisonbeginn für 12.681 Zuschauer zugelassen wurde. Die alte Anzeige mit Dutzenden von Glühlampen wurde durch eine neue Anzeigetafel ersetzt, bei der der Spielstand bis heute durch eingeschobene Nummern angezeigt wird. Die Stadt kam den Verein entgegen, indem sie dem CFC für das Gelände der Fischerwiese Erbbaurecht erteilte - ein Novum, da nur sehr wenige Vereine in Deutschland über Grundbesitz verfügen. Im Mai 1996 beschlossen die Mitglieder des CFC, den Namen "Dr. Kurt Fischer" zu streichen, so daß das Stadion bis heute den offiziellen Namen "Stadion an der Gellertstrasse" trägt. In den folgenden 3 Jahren mauserte sich die Fischerwiese wieder zur Heimfestung des CFC. Der Zuschauerschnitt stieg in der dritten Liga wieder auf 4.300 Fans (Saison 98/99) pro Spiel und das Stadion fieberte mit, als die Himmelblauen zwischen dem 06.03.99 bis 30.05.1999 insgesamt 1126 Spielminuten ohne Gegentor auf eigenen (und fremden) Platz absolvierten und damit einen deutschlandweit einmaligen Rekord für Liga 1-3 aufstellten. Am 08.05.1999 siegte der CFC vor 10.000 begeisterten Zuschauern in der festlich geschmückten Arena mit 4:0 gegen den FSV Zwickau und wurde somit Meister der Regionalliga Nordost. Damit war man aber noch nicht für die zweite Liga qualifiziert, da seitens des DFB eine Aufstiegsregelung galt, die zwei Entscheidungsspiele gegen den Meister der Regionalliga Nord (VfL Osnabrück) erforderte. Nach einem unglücklichen 0:1 in Osnabrück siegte der CFC auf der ausverkauften Fischerwiese (12.500) mit 2:0 gegen den VfL und stieg wieder in die zweite Bundesliga auf. |
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Ein Schmuckstück (1999-heute) |
Mit dem Aufstieg 1999 stand der Verein vor dem erneuten Problem, dem DFB ein Stadion für die zweite Liga präsentieren zu müssen. Diesmal machte man jedoch alles richtig. Unter dem CFC-Präsident Waszik wurde ein Sofortprogramm für den Ausbau der Fischerwiese initiiert wurde. Für insgesamt 3,5 Mio. DM (davon 1 Mio. Soforthilfe von der Stadt) wurden in der Sommerpause ein Spielertunnel, neue Räumlichkeiten für Spieler/Presse/VIP's, Blocktrennungen und eine Polizeibrücke geschaffen. Der DFB war beeindruckt und erteilte die Spielerlaubnis unter der Auflage, das Stadion im nächsten Jahr mit einer Flutlichtanlage auszustatten.Das erste Spiel in der umgebauten Fischerwiese stieg am 13.08.1999 vor 12.200 Fans gegen die namhafte Borussia aus Mönchengladbach, welche unter großem Jubel mit 2:0 bezwungen wurde.
Durch die Liveübertragung von drei Heimspielen im DSF und der deutlich gestiegenen Zuschauerresonanz (im Schnitt 8.000 Fans) konnte der Verein den Bau der Flutlichtanlage vorzeitig in Angriff nehmen. Nach nur 4-wöchiger Bauzeit und Kosten von 920.000 DM erstrahlte am 22.11.99 gegen den 1.FC Köln (1:3) die Fischerwiese erstmals unter Flutlicht. 66 Jahre nach dem ersten Spatenstich war die Arena endgültig zu einer perfekten Fussballarena geworden.Im Sommer 2000 erfolgte der Einbau weiterer Wellenbrecher in den Blöcken, womit sich die zulässige Zuschauerzahl auf 16.061 Fans erhöhte. Am 01.09.2001 eröffnete anlässlich des Pokalspieles CFC - 1.FC Köln (2:5) neben dem Stadion eine Fanhalle, welche wie der neue Sozialtrakt aus dem Gebäudekomplex eines alten Strassenbahndepots stammt. Am Rande des Auswärtsspieles des CFC in Kiel buddelte im Oktober 2001 der Fanclub "Clubsurfer" mit offizieller Genehmigung des CFC ein Stückchen Rasen aus, um am Grab der Stürmerlegende Erwin Helmchen in Kiel (siehe Abschnitt "Vor dem Krieg") den symbolischen Wunsch nach einer ewigen Ruhe unter der Grasnarbe der Fischerwiese zu erfüllen. |
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