Saison 1971/1972
FCK / DDR-Oberliga



 
FC Karl-Marx-Stadt
FC Karl-Marx-Stadt2:0BFC Dynamo
BFC Dynamo
Finale - Pokal der "Neuen Fußballwoche" - Saison 1971/1972
Samstag, 17. Juni 1972, 15:00 Uhr
Dr.-Kurt-Fischer-Stadion, Karl-Marx-Stadt
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Männig (Böhlen)
FC Karl-Marx-StadtTorfolgeBFC Dynamo
T Kaschel
A Schuster
A P. Müller
A Sorge
A Franke
M Neubert
M Göcke
M J. Müller
S Rauschenbach
S Petzold (45. Förster)
S Zeidler (85. Krasselt)

Trainer: Hofmann
1:0 Rauschenbach (14.)
2:0 Göcke (53.)

T Creydt
A P. Rohde
A Filohn
A Trümpler
A Stumpf
M Terletzki
M Kranz (60. Hübner)
M Becker
S Labes
S Schütze (15. Schwierske)
S Weber

Trainer: Schröter
Pressestimmen

Fuwo-Titelblatt

Göckes Treffer - Sieg für den FCK

Gutklassiges Niveau besaß das Finale um den fuwo-Pokal, das am Sonnabend vom gastgebenden FC Karl-Marx-Stadt und dem BFC Dynamo bestritten wurde. Für die ideenreicher und druckvoller operierenden Schützlinge von Cheftrainer Gerhard Hofmann gab es zum Ausklang der Saison einen verdienten 2:0-Erfolg. [..]


Fuwo-Bericht

Die Mittelfeldreihe des FCK sorgte für entscheidende Impulse

++ Der Gastgeber nutzte den Heimvorteil eindrucksvoll und holte sich verdientermaßen den fuwo-Pokal ++ Rauschenbach und Göcke erzielten die Tore ++ Ersatzgeschwächter BFC blieb ohne Durchschlagskraft ++ Würdiges Finale eines Wettbewerbs, der wertvolle Aufschlüsse brachte ++ FCK optimistisch in die neue Saison ++

FCK-Kapitän Eberhard Schuster strahlte, als ihm DFV-Generalsekretär Günter Schneider und fuwo-Chefredakteur Klaus Schlegel den geschmackvoll gestalteten Pokal überreichten. Damit hatte für seine Mannschaft eine Saison einen versöhnlichen Abschluß gefunden, in der die Karl-Marx-Städter lange um den Klassenerhalt bangten und in der sie in der letzten Phase andeuteten, daß mehr in ihnen steckt. Mit diesem Finale wurde ein Wettbewerb beendet, den nahezu alle Mannschaften zum Experimentieren nutzten und der insbesondere deshalb wertvoll war. [..]

Göcke ist an Creydt vorbei und erzielt das 2:0, Kranz kommt zu spätBFC-Cheftrainer Hans Geitel äußerte bereits vor dem Anpfiff seine Bedenken: "Ich fürchte, daß wir nicht homogen genug besetzt sind, um dem in der Meisterschaft unter Wert plazierten FCK wirkungsvoll begegnen zu können [..]." Sein Kollege Günter Schröder erweiterte diesen Gedanken: "Vor heimischer Kulisse ist der FCK klarer Favorit, wobei wir allerdings nichts zu verlieren haben. Entsprechend auch wird unsere Einstellung sein." Nach wenigen Minuten allerdings wurden die Absichten des BFC bereits durchkreuzt; infolge einer Verletzung mußte Schütze - er vergab in der ersten Minute eine Kopfballchance - ausgewechselt werden. [..] Durch diesen Ausfall, durch die ungenügende Einsatzbereitschaft von Labes, das schwunglose Spiel Webers, die mangelnde Übersicht von Kranz blieb der BFC insgesamt ohne Durchschlagskraft [..].

Mit Fug und Recht kommentierte Dieter Erler nach dem Abpfiff: "Vom BFC hätte ich doch ein wenig mehr Gegenwirkung erwartet. Ich glaube, daß wir uns verdient durchgesetzt und somit einen hoffnungsvollen Übergang für die kommende Saison erreicht haben." Dem ist ohne Einschränkung zuzustimmen. Es war tatsächlich imponierend, wie der FCK das Spiel gestaltete, es stets in der Hand hatte und es nahezu nach Belieben diktierte. Das von Cheftrainer Gerhard Hofmann geäußerte Vorhaben - "wir wollen den Heimvorteil nutzen und sofort die Initiative übernehmen!" - wurde in einer Art und Weise verwirklicht, die die 12.000 Zuschauer oft zu Beifall auf offener Szene herausforderte. Und BFC-Kapitän Peter Rohde anerkannte unumwunden: "Der FCK war diesmal ganz einfach besser; er spielte aggressiver, dynamischer."

Die Voraussetzung dafür schaffte die harmonisch aufeinander abgestimmte Mittelfeldreihe. Wie sich J. Müller, Göcke und Neubert ergänzten, wie sie sich klug in ihre Aufgaben teilten, das war schon sehenswert und das läßt den Schluß zu, daß der FCK hier die ideale Besetzung gefunden hat. [..] Neben Göcke gefiel insbesondere Neubert, der sich auf dieser Position weit besser zur Geltung brachte als auf dem linken Flügel. "Mir liegt es mehr, aus der Tiefe zu kommen", urteilte er selbst. [..] So aufopferungsvoll Stumpf, Trümpler und Filohn auch kämpften, so sehr sich Rohde und mitunter auch Becker mühten, gegen diese ausgeglichener besetzte Karl-Marx-Städter Elf mußte das wirkungslos bleiben, weil die anderen allein vom Laufpensum und der Einstellung her unter dem zu fordernden Limit blieben. [..]

Während sich der FCK noch einige weitere Möglichkeiten erspielte, waren bei den Berlinern lediglich zwei Schüsse von Becker (26., 40.) und einer von Terletzki (3.) zu registrieren, die Kaschel auf dem Posten sahen. Darin kommt zum Ausdruck, wie souverän die Abwehr der Gastgeber mit dem herausragenden Schuster, dem stellungssicheren P. Müller, dem kampfstarken Sorge (aber den Einsatz nicht übertreiben!), und dem oft nach vorn aufschließenden Franke wirkte, wobei jedoch die geringe Gegenwehr nicht unerwähnt bleiben darf. In einem würdigen Finale, das teilweise auf gutem Niveau stand, holte sich so der FCK verdientermaßen den fuwo-Pokal. [..]

(Klaus Schlegel)

Sieger des Fuwo-Pokal-Wettbewerbs in der Saison 1971/72: FC Karl-Marx-Stadt


Fuwo-Nachbetrachtung

Der Glückwunsch des Übungsleiters

Der neu gestiftete Fuwo-PokalDas Endspiel um den Pokal unserer Zeitschrift im Dr.-Kurt-Fischer-Stadion von Karl-Marx-Stadt war lange zu Ende, die Akteure erfrischten sich unter der Dusche von den Anstrengungen der Begegnung. Draußen vor den Kabinen drängten sich die FCK-Anhänger, um ihren Spielern zu gratulieren, von diesem oder jenem ein Autogramm zu erhaschen. Abseits des Gedränges stand ein Mann. [..] Dieser bescheidene Sportfreund hat auch seinen Anteil am Erfolg des FC Karl-Marx-Stadt. Fritz Kebschull aus Rochlitz war nämlich der erste Übungsleiter von FCK-Torhüter Wolfgang Krahnke, der in drei Staffelspielen um den fuwo-Cup wiederholt gute Kritiken erhielt. "Acht Jahre habe ich den Wolfgang betreut, bei den Schülern und Jugendlichen. Er begann als Feldspieler, ehe er zwischen die Pfosten ging. Mit 18 Jahren hat ihn dann die BSG Motor Rochlitz zum Club delegiert", erläuterte mir Fritz Kebschull die Zusammenhänge.

Die Atmosphäre am Sonnabend stand der eines "richtigen" Cup-Finales kaum nach. Nach dem Schlußpfiff und nach der Ehrung für den Gewinner stürmten Hunderte die Spielfläche, nahmen ihren Lieblingen die verschwitzten Jerseys ab und als Souvenirs mit nach Hause. "Junge, Junge, wenn es dauernd Pokalsiege gäbe, hätten wir bald nichts mehr anzuziehen", flachste Wilfried Göcke, der überlegene Schütze des entscheidenden Tores beim Abgang. Vor der Begegnung war "Winne" allerdings kaum zu einem Scherz aufgelegt. "Ich weiß gar nicht, ob ich heute spiele, obwohl es mir ja in den Beinen kribbelt". Eine Darminfektion beeinträchtigte das Wohlbefinden des jungen Mannes. [..]

Der kleine Eberhard Schuster trug den fünf Kilogramm schweren und 60cm hohen Pokal fast unbemerkt davon. [..] Ein Grafiker und ein Goldschmied haben diesen geschmackvollen Pokal entworfen bzw. gearbeitet. Sportverlag-Mitarbeiter Kurt Winkler (56) legte Anfang Mai mehrere Entwürfe unserer Redaktion vor. Der eine gefiel uns und wurde Goldschmied Wolfgang Friedrich (32) aus Eichwalde bei Berlin zur Ausführung übergeben. "Es ist das erste Mal, daß ich einen Fußballpokal baue", sagte Herr Friedrich. [..] Aus Eisen, Messing, Kupfer, Edelstahl und einem marmorierten Gestein zauberte er in seiner freien Zeit eine Trophäe, die in Karl-Marx-Stadt 12.000 Herzen höher schlagen ließ. Vier Wochen dauerte der Prozeß vom Entwurf bis zur Herstellung! [..] "Schade, wir hätten ihn gern wieder nach Berlin gebracht", bedauerte BFC-Mittelfeldspieler Frank Terletzki.

(O.S.)

Fotos: Fuwo Nr. 18 und 25 vom 3. Mai bzw. 20. Juni 1972

Trainerstimmen

Fuwo-Interview

Große Hoffnung durften wir kaum hegen

fuwo: Mit den Leistungen Ihrer Schützlinge im Endspiel sind Sie bestimmt zufrieden?
Hofmann: "Ja, insgesamt bin ich zufrieden, obwohl man nicht übersehen sollte, daß die Aktionen gegen Ende des Spiels unter fehlender Kraft litten. [..] Trotzdem haben wir kombinationssicher operiert und sicherlich auch einen technisch guten Ball gespielt. Bei größerer Konzentration und Energie wäre aus einigen Situationen mehr zu machen gewesen."

fuwo: Würden Sie einen Spieler besonders hervorheben?
Hofmann: "Alle haben ihr Bestes gegeben. Aber Volkmar Neubert im Mittelfeld ist am Sonnabend wohl von niemanden übertroffen worden."

fuwo: Wie sieht ihr Fazit dieser fuwo-Pokalrunde aus?
Hofmann: "Zunächst eine Vorbemerkung dazu. Als wir die Oberligazugehörigkeit praktisch mit dem letzten Spieltag sicherten, war die Mannschaft kräftemäßig und auch nervlich fast am Ende ihrer Möglichkeiten. Allzu viele Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden durften wir daher kaum hegen. Wir verloren in Jena 0:2 - das war der Ausdruck der noch anhaltenden Krise. Nach dem Sieg in Aue jedoch hatten sich alle Spieler fest vorgenommen, nochmals "zu ziehen" und ihre Leistungsstärke zu beweisen. Das ist ihnen gelungen, selbst wenn man berücksichtigen muß, daß die meisten Mannschaften vorwiegend junge Leute einsetzten."

fuwo: Aber das haben Sie auch getan.
Hofmann: "Als Gelegenheit zum Experimentieren habe ich die fuwo-Cuprunde begrüßt. Mit Andreas Göbert, Jürgen Ernst, Wolfgang Krahnke, Detlef Zimmer und Jürgen Triebel kamen junge Burschen zum Einsatz. Sie haben sich gut gehalten, wenn ich so sagen darf, und ihre Aufgaben erfüllt."

fuwo: Es zeichnet sich demnach eine neue Stammformation für die kommende Saison ab?
Hofmann: "Der FC Karl-Marx-Stadt verfügt nach dem endgültigen Abschluß der Saison 1971/72 über 18 Akteure, die im kommenden Jahr den Stamm bilden werden und die alle spielen können. Dabei haben sich die Talente nachdrücklich empfohlen und für die Oberliga angeboten. [..]"


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